• IoT-Systeme
  • MQTT vs. Kafka im IoT - Die beste Architektur für Ihre Daten

MQTT vs. Kafka im IoT - Die beste Architektur für Ihre Daten

Mohamed Otto 16. März 2026
OT-Systeme mit Siemens und Beckhoff integrieren Daten über MQTT in einen Unified Namespace. Eine Brücke verbindet dies mit IT-Systemen, wo MQTT und Kafka Daten für Data Lake und SAP ERP bereitstellen.

Inhaltsverzeichnis

Bei IoT-Systemen entscheidet nicht der einzelne Broker über den Erfolg, sondern die Trennlinie zwischen Feldgeräten, Gateways und Datenplattform. MQTT hält die Kommunikation mit Sensoren, Zählern und Steuerungen schlank, während Kafka Ereignisse dauerhaft aufnimmt, verteilt und für mehrere Auswertungen verfügbar macht. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf beide Technologien zusammen: nicht als Konkurrenz um den gleichen Job, sondern als saubere Aufteilung der Aufgaben.

Die sauberste Aufteilung liegt zwischen Feldkommunikation und Datenrückgrat

  • MQTT ist für Geräte, Gateways und schwächere Verbindungen gebaut, Kafka für langlebige Streams und mehrere Konsumenten.
  • Ein MQTT-Topic ist vor allem Routing, ein Kafka-Topic ein partitionierter Ereignisstrom mit Aufbewahrung.
  • In vielen IoT-Architekturen gehört MQTT an den Rand und Kafka ins Zentrum.
  • Die Übergabestelle ist meist ein Gateway oder ein Connector, nicht das Endgerät selbst.
  • QoS, Retention, Partitionierung und Schema-Versionen müssen gemeinsam geplant werden.

Worin sich Kafka und MQTT grundlegend unterscheiden

Der wichtige Punkt ist nicht nur die Technik, sondern das Datenmodell. MQTT ist ein leichtgewichtiges Publish/Subscribe-Protokoll für Geräte mit knappen Ressourcen; Kafka ist ein verteiltes Event-Streaming-System für dauerhafte Streams, Parallelität und Wiederholung. Der gleiche Begriff „Topic“ täuscht ein bisschen: Bei MQTT ist es vor allem ein Routing- und Filterkonzept, bei Kafka ein partitionierter, geordneter Datenstrom mit Aufbewahrung.

Kriterium MQTT Kafka Was das in der Praxis bedeutet
Ziel Kommunikation mit Geräten und Gateways Dauerhaftes Ereignisrückgrat für viele Systeme MQTT gehört näher ans Feld, Kafka näher an Analyse und Integration.
Ressourcenbedarf Sehr leichtgewichtig Cluster-basiert und schwerer MQTT passt besser zu kleinen Geräten und instabilen Links.
Zustellung QoS 0, 1 oder 2, dazu Retain-Funktionen Partitionierte Streams, Replikation und Consumer Groups MQTT optimiert Zustellung, Kafka Wiederholung und Skalierung.
Aufbewahrung Letzter Zustand pro Topic ist wichtig Retention nach Zeit oder Größe, standardmäßig oft 7 Tage bei Delete-Policy Kafka ist für Historie und Replay gebaut, nicht nur für den letzten Wert.
Skalierung Broker und Verbindungen Partitionen, Replikate und parallele Konsumenten Wenn mehrere Systeme dieselben Daten brauchen, spielt Kafka seinen Vorteil aus.
Typische Rolle Telemetrie, Kommandos, Statusmeldungen Streaming, Monitoring, Data Lake, Event-Driven Architecture Das ist die Trennung, die in IoT-Projekten am saubersten funktioniert.

Ich merke mir es so: MQTT spricht mit dem Gerät, Kafka spricht mit dem Rest der Organisation. MQTT liefert schlanke Zustellung und kann mit QoS 0/1/2 arbeiten, Kafka liefert Partitionen, Replikation und Replay. Wer beide mit derselben Erwartung an Latenz oder Persistenz bewertet, plant am Ziel vorbei. Genau an dieser Stelle wird die Frage spannend, wann beide Ebenen zusammenarbeiten sollten.

Wann sich beide zusammen wirklich lohnen

Ich setze die Kombination vor allem dort ein, wo Geräte nur sporadisch online sind, die Zentrale aber viele Konsumenten hat: Monitoring, Alarmierung, Reporting, Data Lake, Wartungsplanung. In Telekommunikations- oder Infrastrukturumgebungen sind das oft Außenstationen, Feldsensoren, Energiezähler oder Geräte an Standorten mit schwankender Anbindung.

  • Ja, wenn Telemetrie an einem Ort erzeugt, aber in mehreren Teams verarbeitet wird.
  • Ja, wenn Daten später erneut ausgewertet oder mit anderen Streams korreliert werden müssen.
  • Ja, wenn Befehle zurück an Geräte gehen, die Analyse aber zentral bleiben soll.
  • Ja, wenn Edge und Cloud getrennt betrieben werden und ein Puffer gebraucht wird.
  • Nein, oft nicht wenn ein kleines System nur Live-Kommunikation ohne historische Auswertung braucht.

Für kleine Installationen mit wenigen Geräten ist ein reiner MQTT-Ansatz oft völlig ausreichend. Kafka bringt dort schnell mehr Betriebsaufwand als Nutzen. Die Kombination lohnt sich erst dann wirklich, wenn aus einer einfachen Gerätekette ein belastbarer Datenfluss für mehrere Anwendungen werden muss. Sobald die Kombination sinnvoll ist, muss die Übergabe zwischen den Welten sauber definiert werden.

Schema zeigt, wie MQTT und Kafka in einem Unified Namespace (UNS) integriert werden, um OT- und IT-Systeme zu verbinden.

Drei Integrationsmuster, die ich in der Praxis bevorzuge

Vom MQTT-Broker ins Kafka-Backbone

Das ist das häufigste Muster. Ein Source-Connector oder ein kleiner Bridge-Service liest Topics vom MQTT-Broker und schreibt die Ereignisse in Kafka. So bleiben Geräte und Gateways leichtgewichtig, während die Plattform Historie, Parallelität und Wiederverarbeitung bekommt. Für Telemetrie ist das meistens die sauberste Linie.

Vom Kafka-Stream zurück ins Feld

Für Setpoints, Wartungsbefehle oder Firmware-Trigger drehe ich den Weg um. Kafka speichert den Befehl, ein Sink-Connector oder Gateway publiziert ihn in MQTT, und das Gerät bekommt ihn mit der für sein Profil passenden Zustellung. Das ist besonders nützlich, wenn Befehle nachvollziehbar bleiben sollen, aber am Ende trotzdem auf einem schlanken Protokoll ankommen müssen.

Lesen Sie auch: Industrielles IoT - So schaffen Sie echten Mehrwert & Sicherheit

Gateway mit Puffer und Übersetzung

Wenn Verbindungen instabil sind, setze ich zuerst auf einen Edge-Gateway-Ansatz. Das Gateway sammelt lokal, puffert bei Ausfällen und übersetzt erst danach in Kafka. Diese Variante ist operativ aufwendiger, verhindert aber Datenverlust bei kurzen oder längeren Netzunterbrechungen. Gerade in verteilten Infrastrukturen ist das oft der Unterschied zwischen „läuft“ und „läuft auch noch nach einem Ausfall“.

Kafka Connect ist für solche Brücken ein guter Standard, weil es genau für den Datentransfer zwischen Kafka und anderen Systemen gebaut ist. Der Vorteil ist nicht nur Konnektivität, sondern auch die klare Trennung von Quelle, Ziel, Tasks und Verarbeitung. Bevor so eine Brücke produktiv geht, müssen Datenmodell und Zustellsemantik zusammenpassen.

So plane ich Datenmodell, Reihenfolge und Zustellsemantik

Hier gehen viele Projekte leise schief, weil sie nur an Protokolle denken. Ich plane zuerst die Bedeutung der Nachricht: Messwert, Zustand, Alarm, Befehl oder Diagnose. Erst danach definiere ich Topic-Struktur, Partition-Schlüssel und Aufbewahrung.

Thema Empfehlung Warum das hilft
Partition-Schlüssel Geräte-ID oder Standort-ID verwenden So bleibt die Reihenfolge pro Gerät oder Standort nachvollziehbar.
MQTT QoS QoS 0 für unkritische Telemetrie, QoS 1 für wichtige Werte QoS 1 reduziert Verluste, erzeugt aber Duplikate, die Downstream verarbeitet werden müssen.
Kafka-Retention Historie bewusst festlegen, nicht dem Standard überlassen Kafka hält Daten nicht „für immer“; die Aufbewahrung ist ein Architekturparameter.
Zustand Retained Messages nur für den letzten bekannten Wert nutzen MQTT-Retain ist ideal für aktuellen Status, nicht für Analysehistorie.
Fehlertoleranz Bei kritischen Streams mit `acks=all` und ausreichender Replikation arbeiten So sinkt das Risiko, dass bestätigte Nachrichten bei einem Ausfall verschwinden.
Schema Versionierte JSON-, Avro- oder Protobuf-Modelle festlegen Ohne Schema-Plan wird jedes Geräteupdate schnell zum Integrationsproblem.

Ein praktischer Grenzfall ist der Unterschied zwischen retained message und Kafka-Retention. MQTT hält den letzten bekannten Zustand pro Topic, Kafka hält Ereignisse über einen Zeitraum oder bis zur Größenbegrenzung auf Partitionsebene; bei der Delete-Policy liegt die zeitbasierte Standardaufbewahrung oft bei 7 Tagen, wenn man sie nicht anpasst. Das ist keine Kleinigkeit, sondern entscheidet darüber, ob ein System nur den letzten Status kennt oder echte Historie besitzt. Wenn die Daten sauber modelliert sind, tauchen die typischen Fehler meist erst im Betrieb auf.

Typische Fehler, die ich in IoT-Projekten immer wieder sehe

  • MQTT als Archiv behandeln. Das Protokoll ist gut für Zustellung und Zustandsnähe, nicht für Langzeitaufbewahrung.
  • QoS 1 mit genau einmal verwechseln. Es ist mindestens einmal, also muss Downstream Duplikate vertragen oder entfernen.
  • Topics 1:1 spiegeln, ohne Fachmodell. Dann landen Geräte-, Standort- und Alarmdaten chaotisch nebeneinander.
  • Connector-Konfigurationen später hektisch ändern. Bei manchen Setups führen geänderte Task-Zahlen oder Topic-Zuordnungen zu Lücken oder Doppelungen.
  • Rohbytes ohne Schema-Plan einführen. Wer die Struktur nicht versioniert, zahlt die Rechnung beim nächsten Geräte-Firmware-Update.
  • Backhaul-Bandbreite zu spät mitdenken. Wer zu viel Rohdatenverkehr aus dem Feld zieht, macht aus der Datenplattform ein Netzwerkproblem.

Ich prüfe deshalb früh, welche Nachrichtentypen wirklich über Kafka laufen müssen und welche am Rand bleiben dürfen. Das spart Bandbreite, Betrieb und Fehlersuche. Am Ende geht es nicht um Technologie-Purismus, sondern um die robusteste Trennung der Aufgaben.

Welche Architektur sich 2026 in verteilten Netzen meist durchsetzt

Für 2026 ist meine Standardempfehlung klar: MQTT an den Geräten, Kafka im Zentrum. Das ist die stabilste Aufteilung, wenn Telemetrie aus vielen Außenstellen kommt, mehrere Teams darauf zugreifen und Daten später noch einmal analysiert oder mit anderen Quellen kombiniert werden sollen.

Nur MQTT reicht, wenn das System klein ist und vor allem Live-Kommunikation braucht. Nur Kafka reicht selten bis ans Feld, weil Endgeräte und schwache Links davon kaum profitieren. In den meisten Infrastruktur- und IoT-Setups gewinnt die Kombination aus leichtem Edge-Transport, lokalem Puffer und zentralem Event-Streaming.

Wenn ich zwischen beiden Welten entscheiden muss, frage ich zuerst nach drei Dingen: Muss das Gerät schlank bleiben, muss der Stream später replaybar sein und muss die Verbindung auch bei Unterbrechungen verzeihen können? Wenn zwei dieser drei Antworten „ja“ sind, plane ich die Brücke zwischen MQTT und Kafka von Anfang an mit ein.

Häufig gestellte Fragen

MQTT ist ideal für die schlanke Kommunikation mit Geräten am Edge, während Kafka für die langfristige Speicherung, Verarbeitung und Verteilung von Ereignisströmen an mehrere Konsumenten im Backend optimiert ist. Die Kombination bietet eine robuste und skalierbare IoT-Architektur.

Ein reiner MQTT-Ansatz reicht aus, wenn Ihr IoT-System klein ist, nur Live-Kommunikation ohne historische Auswertung benötigt wird und der Betriebsaufwand für Kafka den Nutzen übersteigen würde. Für einfache Gerätekette ist dies oft die beste Wahl.

Bei MQTT dient ein Topic hauptsächlich dem Routing und Filtern von Nachrichten für Geräte. Bei Kafka ist ein Topic ein partitionierter, geordneter und persistenter Ereignisstrom, der für Replay und parallele Verarbeitung konzipiert ist.

Gateways sind oft die Übergabestelle zwischen MQTT-Geräten und Kafka. Sie können Daten sammeln, puffern, übersetzen und an Kafka weiterleiten, was besonders bei instabilen Verbindungen oder für die Vorverarbeitung am Edge nützlich ist.

Artikel bewerten

Bewertung: 0.00 Stimmenanzahl: 0

Tags

kafka mqtt
mqtt kafka iot architektur
mqtt kafka integration iot
mqtt kafka anwendungsfälle
Autor Mohamed Otto
Mohamed Otto
Ich bin Mohamed Otto und beschäftige mich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit den Themen Telekommunikation, Infrastruktur und Konnektivitätssysteme. In dieser Zeit habe ich als Branchenanalyst und erfahrener Content Creator zahlreiche Analysen und Berichte verfasst, die sich auf die Entwicklung und die Herausforderungen in diesen Bereichen konzentrieren. Mein Fachwissen umfasst insbesondere die neuesten Technologien und Trends in der Telekommunikation sowie deren Auswirkungen auf die Infrastrukturentwicklung in verschiedenen Regionen, einschließlich Timor-Leste. Ich lege großen Wert darauf, komplexe Daten verständlich aufzubereiten und objektive Analysen zu liefern, die für Fachleute und interessierte Laien gleichermaßen zugänglich sind. Mein Ziel ist es, meinen Lesern stets aktuelle, präzise und vertrauenswürdige Informationen zu bieten, die ihnen helfen, die Dynamik der Telekommunikationslandschaft besser zu verstehen. Ich bin überzeugt, dass fundierte Informationen entscheidend sind, um informierte Entscheidungen zu treffen und die Herausforderungen der digitalen Welt erfolgreich zu meistern.

Beitrag teilen

Kommentar schreiben